Indienbericht Pastor Matthias Ackermann

„Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.“ (2Mose 20,1-5).

Diese Verse aus 2Mose 20,1-5 kamen mir sofort in den Sinn, als wir zum ersten Mal durch die Straßen von Hyderabad fuhren. Indien – ein Land, dessen Straßenbild nicht nur von unzähligen Autos und Menschen übersät, sondern besonders auch von bunten Hindutempeln, Götzenstatuen und heiligen Kühen gekennzeichnet ist. Es wurde deutlich, dass die christlichen Werte, die einen lebenserhaltenden Charakter haben, in dieser Gesellschaft kaum vorhanden waren. So ist das Land besonders von Korruption, Gewalt, Unterdrückung und fehlender sozialer Versorgung gekennzeichnet, was ein Aufblühen des Landes verhindert. Die heutige Entchristlichung der europäischen Gesellschaft ist bereits mit Sorge zu beobachten, aber der Götzendienst und die magischen Einflüsse in der indischen Bevölkerung nehmen von mir niemals geahnte Dimensionen an. Auch wenn die oben genannten Verse im Kontext des Mosebundes zu verstehen sind, ist zu erkennen, dass das Anbeten anderer Götter nicht nur persönliches Verderben bringt, sondern ganze Völker zerstört. Für mich persönlich war es erschreckend zu sehen, wie ein Volk aussieht, dass Gott nicht kennt. Die Reise war für mich eine Warnung, wie auch Europa aussehen wird, wenn die Entchristlichung unserer Gesellschaft weiter voranschreitet und ebenso eine Aufforderung diesem entgegenzuwirken.

Diese Gottlosigkeit motivierte uns, Gottes liebendes, inspiriertes Wort zu den Menschen zu bringen. Zum einen war es das Ziel, Menschen Jesus Christus nahe zu bringen, die ihn noch nicht kennen. Aber auch umfassende biblische Lehre sollte vor allen Dingen in den besuchten Bibelschulen von Pune und Bangalore durch den renommierten Bibellehrer Michael Kotsch vermittelt werden. Dieser stellte zum Beispiel positive Vorbilder aus der Kirchengeschichte dar, von denen wir heute lernen können. Dabei nahm August Herrmann Francke eine besondere Position ein, der als einer der Hauptfiguren des Pietismus fungierte.

Aber auch das Aufzeigen der Gefahren vor unchristlichen westlichen Einflüssen sowie vor unbiblischen Praktiken anderer Denominationen war unsere Aufgabe. Alexander Seibel hat mit großer Leidenschaft und viel Hintergrundwissen aufgezeigt, wo eine Abkehr von dem Wort Gottes sowohl in der Gesellschaft als auch innerhalb der evangelikalen Bewegung zu beobachten ist. Er hat die Menschen dafür sensibilisiert, auf unbiblische Strömungen zu achten und auch angebliche bibeltreue Gemeinden kritisch zu hinterfragen.

Mein Ziel war es, vor allen Dingen von meinen qualifizierten Kollegen zu lernen und die einheimischen Christen in ihrem Kontext zu verstehen und die Eindrücke zu verarbeiten. Aber auch das eine oder andere Wort konnte ich weitergeben.

Es stellte sich heraus, dass die Inder ein sehr positives und idealistisches Bild vom Westen haben. Die indischen Christen sehen Deutschland mit seiner starken Wirtschaft, der herausragenden Technologie und den vielen einflussreichen Personen als ein besonders von Gott gesegnetes Land an. Sie sagten mir, dass sie begeistert davon sind, dass wir das gesegnete Deutschland verlassen würden und in ihrem schmutzigen Land leben, um ihnen das Evangelium zu bringen. Diese Dankbarkeit spiegelte sich in der teilweise für mich übertriebenen Gastfreundschaft wieder.

Es gelang uns den Indern zu vermitteln, dass ihre Sicht über die westlichen Christen nicht immer den Tatsachen entspricht und konnten vor einflussreiche Theologien und Theologen warnen.

Als größte Herausforderung sah besonders die von uns besuchte Bibelschule in Bangalore den großen Einfluss der Charismatischen Bewegung in Indien. Diese Bibelschule hatte einen starken amerikanischen Einfluss. Der amerikanische Rektor behauptete, dass Prediger wie Benny Hinn oder Joyce Meyer den Menschen ein falsches Bild der Bibel darbringen würden. Hier wurde bereits reflektiert gearbeitet.

Besonders dankbar waren wir über die Zusammenarbeit mit dem Team von „Back to the Bible“, die das Ziel vertreten, den Menschen auf einer fundierten biblischen Basis das Evangelium näher zu bringen. So konnten wir gezielt dort unser Wissen weitergeben, wo es benötigt wurde. Aber auch in sämtlichen Hausbesuchen und Treffen mit verschiedenen Leitern und Werken konnten wir unsere Anliegen weitergeben.

Besonders erschreckend ist die derzeitige Situation der indischen Christen, die aufgrund ihres Christseins zum Teil erhebliche Nachteile erleiden müssen. So sei es für Christen auch mit einem abgeschlossenen Studium schwer, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Die Christen, die der untersten Kaste angehören, müssten gegenüber den Hindus aus der höheren Kaste starke Nach-teile hinnehmen. Auch da die entschiedenen Christen der stark verbreiteten Korruption aus dem Weg gehen, haben sie wesentlich weniger Chancen auf einen Arbeits- oder Studienplatz.

Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich in Hyderabad, Pune und Bangalore sammeln durfte. Bereits das Erleben der dortigen Kultur war atemberaubend. Die mangelnde Hygiene, der Müll auf den Straßen, das einseitige Essen, die starke Armut, die mir besonders auf der Zugfahrt von Hyderabad nach Pune aufgefallen ist und der chaotische Straßenverkehr sind eine starke Herausforderungen für fremde Besucher. Auf der anderen Seite waren die Gastfreundschaft, die starke Rollentrennung von Mann und Frau und die große Wertschätzung uns gegenüber Punkte, die mich erstaunt haben. Ebenfalls bin ich dankbar für die Kontakte, die ich knüpfen durfte, sowie für die Freundschaften, die entstanden sind. Auch unsere Bewahrung vor ernsten Krankheiten ist nicht selbstverständlich. Recht herzlich bedanke ich mich bei euch allen. Ihr habt es durch euer Gebet und eure finanzielle Unterstützung möglich gemacht, diesen segensreichen und wichtigen Dienst zu tun. Ganz nach dem Motto aus Apg 2,24: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ Gott möge euch, eure Familien und Gemeinden segnen.


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