AMERIKA - von der Ost- bis zur Westküste

(26. Okt. bis 24. Nov. 1997)

"Der Niedergang in Amerikas Bildung kann auf eine Person zurückgeführt werden - John Dewey, dem Vater der progressiven Erziehung...Die Veränderung im Lehrunterricht ist wahrscheinlich Deweys größter Beitrag zur Umwandlung des amerikanischen Erziehungssystems von einem akademisch orientierten Prozeß zu einem sozialistischen", heißt es in dem Rundbrief der christlichen Heimschulen "Grand County Home Educaters", Mai 1997, unter der Überschrift "Öffentliche Schulen -- eine Straße zur Zerstörung unserer Kinder".

John Dewey, der auch der Initiator des "Humanistischen Manifests" ist, war ein glühender Sozialist, der im Prinzip den Glauben an den Menschen institutionalisierte. "Für Dewey war das größte Hindernis für den Sozialismus ein selbständiger Verstand, der Wissen anstrebt um seine eigene Urteilskraft und intellektuelle Autorität praktiziert", heißt es weiter in diesem Artikel. Ähnlich sind die Auswirkungen bei uns. Man ist sozial- und gesellschaftskritisch erzogen worden, weiß inzwischen, daß Homosexualität etwas völlig Normales ist, kann dafür aber immer weniger schreiben und lesen.

Die Oktoberausgabe des gleichen Blattes berichtete unter der Überschrift "Regierungs-Schulen evangelisieren für pro-homosexuelle Richtlinien" noch erschütterndere Ereignisse. "Ein 14-jähriges Mädchen von der Oberstufe in Massachusetts wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Blutdruck und Herzschlag waren stark unter dem Normalwert. Sie litt seit Monaten an Kopfweh, ihr Gewebe war bläulich verfärbt und oft weinte sie sich in den Schlaf. Die Ärzte stellten fest, daß die Symptome keine medizinische Ursache hatten, vielmehr war das Mädchen unablässig und gnadenlos von einer lesbischen Lehrerin gedemütigt und schikaniert worden. Die Lehrerin hatte ihre Homosexualität öffentlich bekanntgegeben und die anderen Schüler gezwungen, dies zu debattieren." Weil sich das Mädchen klar zu ihren christlichen Überzeugungen bekannte, folgten Drangsalierungen und Erniedrigungen. "Die Eltern des Mädchens baten die Schulverwaltung, ihrer Tochter zu gestatten, eine andere Klasse zu besuchen. Die Antwort war nein. Die Lehrerin 'sei frei, ihr Lesbentum voll auszuleben, und wer damit nicht einverstanden ist, muß dies eben schlucken'." Der NEA (National Education Association, Nationale Erziehungsverein) hatte nämlich ein Programm zur Akzeptanz der Homosexuellen (gegen Homophobia) gestartet und so kannte man buchstäblich keine Gnade.

Der NEA als ein Instrument, um normale sexuelle Orientierung systematisch zu unterdrücken? Regierungsstellen im Auftrag zur Demoralisierung und Entchristlichung der heranwachsenden Generation und Förderung der Perversionen?

Die Kirche rast diesem Zeitgeist zum Teil mit atemberaubender Geschwindigkeit hinterher. So hatte die kalifornische Zeitschrift "The Desert Sun" gerade heute (22. Nov.) eine Meldung, wie die United Methodist Church (Vereinigte Methodisten-Kirche) in Edgehill sich weigerte, ein Hochzeitspaar standesgemäß zu trauen. Der Grund: "Die Edgehill Gemeinde hatte beschlossen, solange die Vereinigte Methodisten-Kirche nicht Eheschließungen von Gays (Homosexuellen) gestattet, wird in ihrer Kapelle keine Trauungshandlung irgendwelcher Art abgehalten."

Die Hiobsbotschaften häufen sich. Da gab es den "Communication Decency Act", der Kinder den Zugang zur Pornographie im Computernetz verbieten sollte. Der Kongreß billigte dieses Gesetz, der Supreme Court, der höchste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, wies es als nicht gesetzeskonform zurück. Dann entschied der Supreme Court im sogenannten "Abortion Parental Consent", daß Mädchen unter 18 Jahren in einer staatlichen Klinik auch ohne Wissen der Eltern eine Abtreibung vornehmen lassen können. Zwar sind die Eltern für die Kinder bis zum 18. Lebensjahr haftbar und Alkohol darf öffentlich erst ab dem 21. Lebensjahr gekauft werden, doch eine Dreizehnjährige darf hinter dem Rücken der Eltern staatlich subventioniert abtreiben lassen.

Die "Tapfere, Neue Welt" läßt grüßen. Bei diesen Urteilen hat man den Eindruck, daß die Verantwortlichen des Supreme Court alles daransetzen, die Familie unter dem Deckmantel der Legalität, Freiheit und Gleichheit zu zerstören. Doch dies kommt nicht überraschend, denn schon bei dem Freimaurer Johann Gottlieb Fichte kann man bereits vor zwei Jahrhunderten nachlesen, wie die beiden Grundübel der Menschheit angeblich Familie und Privatbesitz sind. Wenn diese beiden "Kardinalsünden" ausgemerzt sind, dann, so könnte man meinen, beginnt das sozialistische Millennium. Jedenfalls kann man sich des Eindrucks nicht entziehen, daß die politischen Sektierer der 68er-Generation erfolgreich den langen Marsch an die Schalthebel der Macht auch in den USA durchgeführt haben.

Die vielleicht schlimmste Nachricht teilte mir vorgestern (20. Nov.) eine ältere Christin mit, die darüber ziemlich erschüttert war. Ein Bundesrichter in Alabama hatte entschieden, daß in der Schule auch in Krisenfällen (z.B. Erdbeben oder Bombendrohung) kein Gebet gesprochen werden darf. Damit nicht genug, man will auch Kameras installieren, die darüber wachen, daß niemand betet. Die liebe Schwester im Herrn seufzte, wie die Regierung die Christen in ihrer Freiheit immer mehr unterdrückt. "Wie es früher im Ostblock unter den Kommunisten geschah", klagte sie. Jedenfalls erinnert dies schon in bedrückender Weise an Orwells "1984" (Big Brother is watching you), wobei der Gedanke, daß so etwas ausgerechnet in den USA geschieht, das Land, daß sich einmal auf die Freiheit des Evangeliums gründete, besonders beklemmend wirkt. Die immer mehr um sich greifende "Politische Korrektheit" wendet sich allerdings massiv dagegen, Amerika sei einmal ein christliches Land gewesen.

Solche richterlichen Beschlüsse werden auch nicht in den offiziellen Nachrichtensendungen bekanntgegeben. Die Schwester hatte durch James Dobsons Radiosendung davon gehört. Wie jemand klagte, es dürfen in den USA Minderheiten nicht diskriminiert werden, alles und jedes ist bald mit dem Anspruch auf "Minority Rights" geschützt, nur nicht die Christen. Sie sind offensichtlich immer mehr zum Freiwild, besonders der Medien, geworden.

So versucht Chuck Colson, weil nun doch etliche Christen merken, wie sich die Schlinge allmählich zuzieht, gegen den Supreme Court anzugehen und das RFRA-Gesetz (Religious Freedom Restoration Act) einzubringen. Daß nämlich auch die Christen das Recht haben sollen, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren. Man kann nur hoffen und beten, daß er hierin erfolgreich ist, wobei allerdings die Einstellung des obersten Gerichtshofs nicht unbedingt Gutes ahnen läßt.

Positiv ist zu vermerken, daß sich nun gläubige Rechtsanwälte in einer Allianz, der sogenannten ADF (Alliance Defense Fund), zusammengeschlossen haben. Auf juristischer Ebene gehen sie gegen manches Gerichtsurteil vor und helfen auch Christen, die systematisch unter Druck geraten, weil sie sich aus Gewissensgründen gegen manche staatlichen Verordnungen stellen. Hier wurden auch schon etliche Erfolge errungen.

Noch ein einmaliges Ereignis fand leider auch in diesen Wochen statt. So schrieb eine Lokalzeitung von Fresno, Kalifornien, mit Datum von 8. November: "Präsident Clinton wird der erste amtierende Präsident sein, der heute bei einem Abendessen auf einem Treffen für Rechte der Homosexuellen eine Rede halten wird...'Er wagt einen kühnen, historischen Schritt,' sagt Elizabeth Birch, geschäftsführende Direktorin der Human Rights Campaign (Feldzug für Menschenrechte), der größten politischen Homosexuellen- und Lesbenorganisation der Nation. Ihre Gruppe hat dieses Ereignis in einem Hotel in Washington gesponsert." Der Kommentar eines Bruders: "What a disgrace". Clinton ist tatsächlich ein Präsident der Schande für eine Generation der Schande.

Leider haben wir auch immer mehr ein Christentum der Schande, das fast bei jedem Unsinn buchstäblich mit-marschiert, -hüpft, -tanzt und -spingt. Ein Blick in Amerikas größten und weltweit expandierenden christlichen Fernsehkanal, nämlich TBN (Trinity Broadcating Network) von Paul und Jan Crouch, offenbart ein Christentum, das schlicht und einfach eine geistliche Kulturschande ist. Benny Hinn ist häufiger Gast bei diesem Sender. Er ist im Prinzip Amerikas Starevangelist geworden, der Mann, der durch Anhauchen den heiligen Geist vermittelt. An einem Abend sprach auch Reinhard Bonnke. Er hämmerte seine Phrasen in das Publikum, um eine Art Begeisterung zu erzielen, die auf einem Gemisch von Rhetorik und charismatischer Sieg- und Heilstimmung beruht. Mit Bibelauslegung hat diese Verkündigung rein gar nichts zu tun. Doch hat man den Eindruck, daß dies auch nicht unbedingt verlangt wird. Das Publikum möchte unterhalten werden. Bonnke und Benny Hinn sind die "würdigen" Repräsentanten eines zutiefst degenerierten, hedonistischen Christentums, das sich im Westen immer mehr ausbreitet. Entertainment, Unterhaltung um jeden Preis angesichts einer emotionalisierten Erlebnis-Generation, scheint der Inhalt eines neuen Evangeliums und "Nachfolge" geworden zu sein.

Der Kommentar von Dr. Mark Hanna, Apologet und früher Professor am Talbot Theological Seminary und der Universität von Kalifornien, in dessen Haus ich diese Fernsehprediger bewundern konnte, zu Reinhard Bonnke: "He makes me sick." Seiner Meinung nach hat kaum etwas so sehr die Ungläubigen für das wahre Evangelium verschlossen, wie diese Art christlichen Fernsehens. Ein Außenstehender kann sich davon nur abgestoßen fühlen, bzw. genau den Eindruck bekommen, vor dem Paulus die Korinther zu warnen sucht (Kap. 14,23). Mit seinen simplifizierenden, einhämmernden Sprüchen ist Bonnke tatsächlich eine Zumutung, nicht nur für den Intellekt.

Benny Hinn bezeichnet sich selbst als "Evangelikalen". Früher hätte man sich von solchen Leuten noch klar distanziert und es bestand auch lange genug eine deutliche Trennung. Solche Abgrenzungen werden aber immer mehr als Ärgernis empfunden und dank der "Kassler Erklärung" ist so ein klarer Trennungsstrich immer weniger möglich. Denn Benny Hinn und Reinhard Bonnke sind ziemlich eine Wellenlänge und Bonnke als Mitglied des BFP (Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden) ist nun offenbar auch für die Allianz salonfähig geworden.

Der Fernseh-Evangelist und Sänger Carmen zeigte eine Spielszene, in der der Thron Satans in die Luft gesprengt wird. Das Publikum ist von diesem "Triumph" über den Feind Gottes derartig begeistert, daß man sich fragen muß, inwieweit lebt hier ein nicht unbeträchtlicher Teil der Christenheit in einer Scheinwelt und verwechselt Phantasie mit Wirklichkeit, Wunschdenken mit Glaube. Die digitale Flimmerwelt der Computer-Generation fordert offensichtlich auch ihren Tribut von den Gläubigen. Geistliche Fantasy-Spiele, ähnlich wie die Gebetsmärsche, als Ersatz für den tatsächlichen geistlichen Kampf, der uns in Hebr. 12,1 befohlen ist? Wahrscheinlich hat es noch keine Generation von Christen gegeben, die derart offensichtlich Psyche mit Pneuma, machbare Berauschung der Seele mit Wirkung des Heilgen Geistes verwechselt hat. Doch bekanntlich beginnt das Gericht Gottes am Hause Gottes.

Natürlich ist auf diesen Kanälen ständig von Erweckung die Rede, die nun angeblich Amerika heimsucht. Dies nimmt sich angesichts der jüngsten, buchstäblich antichristlichen Entwicklungen fast wie ein schlechter Scherz aus. Eingeweihte nennen bereits die 90er-Jahre das Jahrzehnt der Homosexuellen. Die westliche Welt erlebt nun tatsächlich eine Erweckung, allerdings eine okkult esoterische, die ein Szenario liefert, in das diese Wunderheiler problemlos hineinpassen. Jemand, der dies sehr deutlich aufzeigt, ist Hank Hanegraaff in seinem Buch Counterfeit Revival (Nachgeahmte Erweckung). Als Präsident des berühmten "Christian Research Institutes", das sich mit gegenwärtigen Strömungen in den etablierten Gemeinden Amerikas befaßt, steht ihm ein umfassendes Beobachtungsmaterial zur Verfügung. Er spricht von dem Wiedererstehen des Mesmerismus, den faulen Früchten von Toronto, zu denen auch die sogenannte Pensacola-Erweckung gehört und scheut sich auch nicht, ein ganzes Kapitel "Lügenhafte Zeichen und Wunder" zu nennen.

Auch Richard Mayhue, Dekan des Master's Seminary in Los Angeles, kommt in seinem Buch The Healing Promise zu ähnlichen Ergebnissen. Besonders eindrücklich ist der Abschnitt von André Kole, der bewußter Christ ist und als Trickkünstler 30 Jahre in dieser Welt der Illusionen tätig war. Sein Urteil über die Wunderheiler, obwohl höflich gehalten, ist mehr als ernüchternd. Solche "vollmächtigen Apostel" vermögen zwar funktionelle Störungen zu heilen, nicht aber organische Krankheiten. Er sagte Benny Hinn wörtlich, nachdem dieser versprochen hatte, ihm Unterlagen zu attestierten Heilungen zukommen zu lassen: "Benny, ich möchte nicht unfreundlich sein, aber ich denke, ich sollte erwähnen, daß seit 35 Jahren jeder christliche Glaubensheiler, den ich kontaktierte, dasselbe Versprechen abgab, aber ich habe niemals mehr von ihnen wieder gehört" (S. 60). Benny gelobte, sich zu melden. Bis heute noch wartet André Kole auf eine Antwort. Es ist weltweit dasselbe traurige Lied. Glaubensheilung, so erklärt er, kann praktisch von jedem praktiziert werden - sogar einer Katze. "Es wird berichtet, daß Leute von verschiedenen Ländern nach Blackburn in England reisten, um eine 'glaubensheilende' Katze aufzusuchen. Dutzende früherer Krankheitsfälle bezeugen die unglaubliche Heilungskraft durch Auflegung ihrer Pfoten" (S. 49). Man hält es kaum für möglich, was es auf diesem Gebiet durch Leichtgläubigkeit alles gibt. Göttliche Heilung dagegen ist etwas völlig anderes. Hier herrscht bei diesen Wunderheilern, wie oben gezeigt, einmütige Funkstille. Jedoch wirken sie weiter auf dieser Ebene der Illusion und des Betrugs und scheffeln buchstäblich von ihrem gutgläubigen und betrogenen Publikum die Millionen.

Der Autor hatte mir das Buch persönlich in die Hand gedrückt. Ich war eingeladen worden, in der Kapelle der Grace Community Church die Andacht zu halten. Das war am Donnerstag, den 6. November. Danach fand in derselben Grace Community Church vom 7. bis 8. Nov. ein Seminar zu dem Thema "Ex-Katholiken für Christus" statt. Es war für mich eine besondere Freude, William MacDonald wiederzusehen und andere Brüder, u.a. den neuen Leiter von Wort des Lebens, Joe Jordan, kennenzulernen. Sein Vorgänger, Jack Wyrzen, hatte die gegenwärtige Situation der Christenheit treffend in zwei Worte zusammengefaßt, nämlich "Compromised Confusion" (vom Kompromiß geprägte Verwirrung). So sieht es tatsächlich leider aus.

Besonders erschütternd waren auf diesem Seminar einige Zitate, die aufzeigten, wie führende Evangelikale, besonders gegenüber der katholischen Kirche, immer mehr Kompromisse tolerieren, bzw. unangenehme Fakten einfach ignorieren oder gar unterdrücken. In diese Kategorie, was allerdings nicht völlig überrascht, gehört das Versprechen von Campus Crusade und von Prison Fellowship, geleitet von Chuck Colson, niemals darauf hinzuarbeiten, daß Katholiken die Kirche Roms verlassen. Bob Schuller, Amerikas charmanter Prediger der Crystale Cathedral meinte in bezug auf den Papst: "Es ist Zeit, daß wir auf den Hirten zugehen und ihn fragen: 'Was müssen wir tun, um heimzukehren?'" Ein ehemaliger Mitarbeiter von John Wimber, John Goodwin, berichtete gar (es ist dies einer Audio-Kassette entnommen), wie John Wimber beim Besuch des Erzbischofs in Anaheim aufstand und erklärte: "Ich möchte mich für die Protestanten entschuldigen, daß sie jemals die katholische Kirche verlassen haben."

Die Promise Keepers (Männer, die Wort halten) sind streckenweise eine erfreuliche Bewegung. Es ist positiv, wenn Männer Buße tun und zu den traditionellen, biblischen Normen zurückkehren. Weniger erfreulich ist zu vernehmen, wie man die Satzungen dieser Männerbewegung so geändert hat, daß sie nun für Katholiken keinen Anstoß mehr bilden. Die katholischen Verantwortlichen hatten sich an der Formulierung "allein durch Glaube" der ursprünglichen Fassung gestoßen. Dies war das große Ärgernis der Reformation und ist das eigentliche Herzstück des Protestantismus. Doch kann man generell beobachten, wie immer mehr biblische Glaubensinhalte bis zu den Fundamenten preisgegeben werden, um ja niemanden mehr ein Ärgernis zu sein.

Parallel damit läuft allerdings die Ausbreitung eines falschen Christentums. Die beiden Kardinaltugenden heute heißen Liebe und Einheit. Biblische Lehraussagen und verbindliche Glaubensinhalte sind nicht mehr besonders gefragt. Eindrückliches Beispiel für diesen neuen Sog der Verbrüderung ist die Vereinbarung, nun hier in Europa, welche die Deutsche Evangelische Allianz getroffen hat, gemeinsam mit den Charismatikern den "Marsch für Jesus" im Jahre 2000 zu planen. Daß man mit Leuten zusammenarbeitet, die sich oft genug als unaufrichtig erwiesen haben, nun mit Irrlehrern gemeinsam marschiert, scheint nicht so schwerwiegend zu sein. Hauptsache, Einheit wird demonstriert.

Mit Walter Heidenreich, einer Schlüsselfigur dieser Gebetsmärsche, finden große Verbrüderungsszenen statt, und daß, obwohl er z.B. Abendmahlsreste gesammelt und in der Mongolei vergraben hat. Dies soll offensichtlich eine Geste des Segens bzw. eine symbolische Handlung sein. Mit Vertretern eines somit zutiefst magischen Weltbildes und eigentlich eines anderen Evangeliums wird nun ein gemeinsames Zeugnis aufgerichtet, um gemeinsam Jesus zu bekennen. Welchen Jesus eigentlich? Offensichtlich sind auch in den Gemeinden die geistlichen 68er auf dem Vormarsch, die zwar nach außen hin evangelikal scheinen, im Herzen aber liberal und modernistisch gesonnen sind und ein neues Wohlfühlchristentum propagieren. Solche im Herzen liberale Gläubige werden auch keine lehrmäßige Stellung gegen irgendwelche Trends der Zeit beziehen. Sie folgen vielmehr, wie Spurgeon klagte, "dem Treiben dieser Welt, machen jede Torheit mit". So spricht Walter Heidenreichs "Champ" von "Eternal Rave" und empfiehlt groß: "Tanz den Techno für den Herrn" (Champ 3/97). "Die Evangelikalen übetreffen heutezutage bei weitem die Liberalen als religiöse Neuerer- und Kompromißfreunde", schreibt Guinness. Und Robert Brown spricht sogar von einer "evangelikalen Megaveränderung" (Christianity Today, 19. Febr. 90) .

An den beiden Abenden dieses Seminars sprach auch der Gastgeber Pastor John MacArthur. Seine Botschaften waren zutiefst vom Worte Gottes durchdrungen und rhetorisch brillant. So ziemlich das genaue Gegenteil der "Electronic Church".

Am Samstag Nachmittag (8. Nov.) gab es dann noch eine Podiumsdiskussion, wo Leute aus verschiedenen Ländern zu Wort kamen. Auch mich hatte man dazu eingeladen und nach meinen Aussagen wurde ich von etlichen Christen angesprochen, die ebenfalls Deutsch als Muttersprache hatten. Besonders hatte mich das Wiedersehen mit Dave Hunt gefreut, einen der Hauptredner dieses Seminars. Doch hatte ich ihn die Woche davor schon getroffen. Wie war es dazu gekommen?

Da mein Buch The Church - Subtly Deceived? endlich als Ausgabe für Amerika erschienen war, ging es darum, einen geeigneten Zeitraum für Vorträge in diesem Zusammenhang zu finden. Nun, Amerika ist eigentlich mit Predigern und Büchern übersättigt. Dennoch fand über frühere Bekannte mein Buch einen gewissen Verbreitungsgrad. Dann wollte Arno Froese, Leiter des Mitternachtsrufs von Amerika, mein Buch neu auflegen. Dies war für mich eine Gebetserhörung und nun ging es darum, Termine ausfindig zu machen. Da man nicht mehr so reisen kann wie früher, nämlich mit Standby-Ticket, war eine genaue Planung nötig, was aber nicht immer einfach war, milde formuliert.

Doch dann ergab sich die Teilnahme an der sog. "Atlantic Coast Prophecy Conference" des Mitternachtsrufs in Myrtle Beach, das am atlantischen Ozean liegt. Es waren höchst eindrückliche Botschaften, die ein aktuelles Bild unserer Zeit aufzeigten und hier traf ich auch Dave Hunt zum ersten Mal im Zuge dieser Reise. Da ein Redner ausfiel, wurde auch ich noch gebeten, einen Vortrag zu halten und hier ergab sich manche gnädige Führung des Herrn, über die ich nur dankbar sein kann. Die Gastfreundschaft der Familie Froese war vorbildlich, milde gesagt. Das Kennenlernen und die Gemeinschaft mit den Geschwistern war ein Geschenk und eine echte Bereicherung.

Von der Atlantikküste ging der Flug nach Denver, da mein Sohn Andreas in dem Bundesstaat Colorado ca. ein halbes Jahr bei den Fackelträgern bleiben wird. Nach Abschluß seines Abiturs wollte er diese Gelegenheit nutzen, auch um sein Englisch zu verbessern. Da sich meine Termine immer mehr Richtung Herbstende verschoben und Andreas ohnehin plante, Mitte November nach Colorado zu fliegen, beschlossen wir, die Reise gemeinsam anzutreten, wobei er sowohl mich als auch ich ihn begleitete. Von Denver flogen wir dann nach Los Angeles, wo in der Gemeinde von John MacArthur als Gastgeber, der besagten Grace Community Church, das oben erwähnte Seminar stattfand. Obwohl manches sich anders entwickelte, als ich von meiner Planung in Deutschland aus annahm, hat der treue Herr Jesus wiederum große Gnade geschenkt und so darf ich auf diese Reise, nicht zuletzt wegen der vielen treuen Beter, dankbar zurückblicken.


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